So krank sind die Gelbwesten wirklich

Von merkwürdigen Verlautbarungen in unterschiedlichen Medien aufgeschreckt, recherchierte der Gelbrebell die Hintergründe zu einem neuen, bedrohlichen Krankheitsbild. Besonders gefährlich ist die große Ansteckungsgefahr. Oft tragen die Betroffenen gelbe Warnwesten. Satire.

Unsere Recherche erfolgte nach einem Ereignis, das jüngst in einem Ausflugslokal in Limburg für Aufregung gesorgt hatte.  Fünf sogenannte „Gelbwesten“ nahmen plötzlich an einem Tisch im Außenbereich eines Lokals Platz, offenkundig in der Absicht, dort einen Kaffee zu trinken. Das war Grund genug, um das Ordnungsamt zum Einschreiten zu bewegen. Die Beamten führten gleich an Ort und Stelle eine Befragung durch. Über weitere Schritte wurde nichts bekannt. Ohne Einschreiten der Exekutive ging es in Köln ab. Hier konnte der  Betreiber eines Marktstandes nur durch sein geistesgegenwärtiges Handeln die Annektierung seines Standes gerade noch verhindern. In den sozialen Medien waren Gelbwesten zu sehen und auch zu hören, welchen an besagtem Glühweinstand auf einem Weihnachtsmarkt die Bedienung verweigert worden war.

Da drängt sich die Frage auf: Was sind das für sonderbare Leute? Der Gelbrebell begann seine Recherche im Internet mit der Befragung von Google. Das Ergebnis war erschreckend. Schon im antiken Rom trugen Prostituierte, als Zeichen ihrer Unreinheit, ein gelbes Kleid. Die heutigen Gelbwesten indes sind krank, sehr krank und die Erkrankung ist ansteckend. Erstmalig zum Ausbruch gekommen war die Seuche in Frankreich, wo wütenden, meist in prekären finanziellen Situationen lebenden französischen Gelbwesten die im italienischen Vienna stationierte europäische militärische Polizeieinheit Eurogendfor entgegen gestellt werden musste, um ein weiteres Ausbreiten der Epidemie zu verhindern.  

Besonders die Gelbwesten leiden unverkennbar unter einer besonders heimtückischen Art der Pest. Man spricht hier von der sogenannten „Kritikerpest“, welche ein langsames aber sicheres Siechtum bedeuten soll. Wissenschaftliche Erhebungen gibt es dazu noch nicht. Insbesondere, so war Presseausführungen jedoch zu entnehmen, sei die rechte Körperhälfte betroffen, vor allem Gehirn und rechte Niere.
Erkrankte, so fand die Amadeu Antonio Stiftung heraus, sind oft an ihrem Ordnungssinn, ihrer Sportlichkeit, sowie besonders höflichen Umgangsformen von Kindern und an Zöpfen zu erkennen. Keine geringere als Familienministerin Franziska Giffey hatte zu der Broschüre „Ene meine muh – und raus bist du“ der Amadeu Antonio Stiftung, welche Kita-Erziehern Tipps für den Umgang mit rechtsradikalen Eltern geben soll, das Grußwort geschrieben.

Was ist die Verbindung von einer Kita-Broschüre und Gelbwesten? Welt.de schrieb am 3.12.18 unter anderem: …  „Oftmals zeigen Mitglieder eine Nähe zu Forderungen der AfD und anderer rechter Gruppen.“ Berliner Morgenpost am 3.12.18 titelt: „Protestieren die Gelbwesten bald schon in Deutschland“ und im Untertitel: „Die Gelbwesten haben in Frankreich teils gewalttätige Proteste veranstaltet. In Deutschland gibt es erst vereinzelte Gelbwesten“. Das klingt für den unschuldigen Zeitungleser ja geradezu bedrohlich.

Drei Tage später, am 6.12.18 setzt Sputniknews  einen oben drauf und verortet die Gelbwesten noch weiter rechts und titelt: „Der Wolf in der Weste? Gelbwesten in Deutschland“. Weiter im Artikel heißt es dann ganz unumwunden, Zitat: „Ein Blick auf das im Twitter-Account oben angeheftete Foto deutet mit der usurpierten DDR-Parole „Wir sind das Volk“ auf eine rechte Ausrichtung dieser Gruppierung hin“.  
Der eloquente Leser weiß sofort: Usurpieren ist ein anderes Wort für annektieren. Diesen Begriff kennt der regelmäßige Medienkonsument spätestens seit der oft medial reflektierten „Annektierung der Krim“. Die Aussage „Wir sind das Volk“, bedeutet nichts anderes als: das Volk, oder der Souverän, eventuell auch die Gemeinschaft der Staat ermöglichenden Steuerzahler und in jedem Fall die Menschen, die in Deutschland leben schlichthin. Aber diese  Aussage, so suggeriert die Formulierung von Sputniknews,  ist besetzt, schon vergeben, darf nicht mehr benutzt werden. Wenn es doch jemand tut, dann ist das eine Annektierung, also eine gewaltsame Aneignung einer Sache. So macht die Presse mit der Wahl der Worte Stimmung gegen völlig legitimen Bürgerprotest.

Der renommierte Prof. Dr. Mett Wurst rät jedoch zur Gelassenheit: Die Bevölkerung könne diesen Umstand getrost ignorieren, denn man müsse den Medien zu Gute halten, dass diese Stimmung auf der linken Seite sitzt und dass sie daher gutartig sei. Rechts indes säßen immer Hassrede, Populismus und Hetze.
Aus einer anderen, differenziert despektierlichen Sicht als Morgenpost und Sputniknews schaut die Kontextwochenzeitung.de  auf die Entwicklungen in Deutschland und traut den Gelbwesten offenbar keine lange Lebensdauer und wenig Effizienz zu. So sprach sie am 12.12.18 von „extremer Unzufriedenheit vieler Menschen mit der herrschenden Politik“ einerseits und dem „vagen Versprechen, das zu ändern“ andererseits. Dies könne zur „Projektionsfläche für viele individuelle Wünsche werden“, ohne dass ein tatsächlicher Konsens bestünde. (Anm.: Siehe Fotomontage oben). All das zusammengenommen, entwickelt es sich zu einem negativen Attribut.

Doch die Gelbwesten sind nicht die ersten Opfer der Kritikerpest.
So bekommt der Ausspruch „Wir sind viele“ einen ganz anderen Klang.

The European.de schrieb vor etwa einem Jahr, am 9.11.17 unter dem Titel „Merkel-Kritiker taumeln“ von der sogenannten „Kritikerpest“.  Jeder ranghohe Unionspolitiker, der Angela Merkel in den vergangenen zwei Jahren kritisiert habe, werde selber siech, also immer kränker. Da ist es doch wie eine wohltuende Kühlung für die Pestbeulen, wenn wenigstens der Tagesspiegel von einer Warnung für Deutschland spricht und im Untertitel sogar feststellt: „Auch wenn der Protest der Gelbwesten auf den Straßen abflaut, bestehen die sozialen Probleme weiter – in Frankreich und in Deutschland“. Besänftigend und doch mütterlich energisch warnte Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache zu mehr Toleranz, insbesondere vor dem Hintergrund von „Lehren aus zwei Weltkriegen“. Schon einmal hatte das Volk…  – Stopp, das sollte man nicht mehr sagen…  Schon einmal hatte das „Pack“ (Zitat Sigmar Gabriel) es nicht geschafft, sich vor dem Ausbreiten der Kritikerpest zu schützen.

Die traurigen Folgen dürften allen, sowohl den sogenannten linken „Realitätsverweigerern“, als auch den sogenannten rechten „Realitätsverdrehern“ , den „Verschwörungstheoretikern“ , „Gutmenschen“, „Dunkeldeutschen“ und „Teddybär-Werfern“ , dem „Pack“, der „Mischpoke“ und sogar, Zitat FAZ am 16.9.18, den  „Reichsbürgern mit Rastas“ im Hambacher Forst bekannt sein.

Offenbar ist ein Kritiker-Bashing  30 Jahre nach 1989, dem Jahr des Mauerfalls, „alternativlos“  < zum Beitrag mit dem Thema: Manipulation der Masse, Le Bon.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s